Im Anderen das Eigene neu entdecken

29.09.20, 12:38
Julia Schmitz

Im Anderen das Eigene neu entdecken. So hieß es in der Ankündigung für den Exerzitientag, den Esther Tschuscke, Fachbereich Spiritualität und Katechese zusammen mit Anja Baukmann, Referentin für Interreligiöses vorbereitet hatte.
Das „Andere“ waren in diesem Falle unterschiedliche Religionen, bei denen die Mitarbeitenden der KJA zu Gast sein durften. Constantin König aus der Buchhaltung ist unter den Teilnehmer*innen und erzählt: „Ich finde es sehr interessant andere Religionsgemeinschaften zu besuchen und einen Einblick in ihren Glauben zu bekommen“. Zuerst ging es in einen Hindutempel, in dem neben Guru (spiritueller Lehrer) und Tempelbesitzer sogar einige Gemeindemitglieder gekommen waren, um mit den Gästen in Austausch zu kommen. „Die Gastfreundschaft war wirklich toll“, erzählt Anja Baukmann. Die Religionsgemeinschaft existiert dort schon seit 30 Jahren und hatte das erste Mal erlebt, dass eine andersgläubige Gruppe zum Dialog auf sie zugegangen war. Der Hindutempel hat auch Constantin am meisten beeindruckt: „insbesondere die Gemeinsamkeiten zum Christentum und deren Glaubensphilosphie“, berichtet er hinterher.
Danach ging es zu einer Moschee, in der es neben vielen Infos zum Gebet, das im Islam einen sehr hohen Stellenwert hat, zum Abschied türkische Süßigkeiten gab.
Der nächste Besuch ging in eine Synagoge, in der die Gruppe vom Rabbi und einem jungen Mann empfangen wurden. Die Teilnehmenden durften dabei sein als das Schofarhorn geblasen wurde, das zur Tradition am jüdischen Neujahrsfest (Rosch Haschana am 20.September) gehört. Besonders beeindruckend war die Aussage des jungen Mannes, dass es ihm Kraft gibt auf eine 5000 Jahre alte Tradition zurückblicken zu können, in der seine Eltern, Großeltern, Urgroßeltern usw. die gleichen Rituale durchgeführt haben.
Natürlich durfte bei so viel Erlebtem und zurückgelegter Wegstrecke eine ordentliche Mittagspause mit Stärkung nicht fehlen. Während des Mittagessens tauschten sich die Teilnehmenden über eigene Rituale, wie das Tischgebet aus. Sie stellten fest wie wertvoll der Glaube für die Menschen ist, denen sie begegnet waren und wie wichtig er für einen selbst ist oder wieder werden kann.
Gestärkt ging es weiter zum EKO-Haus der Japanischen Kultur, in dem die Teilnehmenden bei einer buddhistischen Zeremonie zuschauen und sich von den Rezitationen beruhigen lassen durften. „Die Teilnehmenden hatten großes Interesse an den verschiedenen Religiösen Orten und haben viele Fragen gestellt“, berichtet Anja Baukmann. 
Bei Thomas Schumacher aus der OGS Burg Hackenbroich ist sehr nachhaltig hängen geblieben, dass so viele verschiedenen Gemeinden oder Gemeinschaften es nebeneinander und problemlos in einer Stadt in Deutschland geben kann. Eine Möglichkeit und eine Freiheit, welche nicht selbstverständlich ist. 
Zum Abschluss und mit sehr vielen Erkenntnissen, Begegnungen und Erfahrungen im Gepäck wurde auf der Wiese vor dem buddhistischen Tempel der Tag reflektiert. 
Thomas meint ganz intuitiv: „als ich zuerst die jeweils anderen Religionen kennen gelernt habe, habe ich den Fokus auf die Unterschiede dieser Religionen zu meiner eigenen gerichtet.
Dann aber - am Ende dieses langen, an Eindrücken sehr reichen und sehr beeindruckenden Tages - entstand in mir der spontane Eindruck, dass "unter dem Strich" die Gemeinsamkeiten die Unterschiede aufwiegen würden.“
Voll mit Gedanken und Emotionen, hatten manche einen sehr hohen Redebedarf, während andere noch ganz mit sich und ihren neuen Eindrücken beschäftigt waren. Ein rundum gelungener Tag und eine positive Erfahrung für alle Exerzitien Neulinge.