42,2 Prozent der Schüler*innen in Deutschland haben eine Migrationsbiografie. Diese Zahl birgt eine klare politische Handlungsaufforderung mit sich, die der Jugendmigrationsdienst (JMD) in der bundesweiten Aktionswoche des Bundesprogramms gemeinsam mit Kolleg*innen der Migrationsberatung für Erwachsene (MBE) zum Gespräch machte: Wer Bildungsgerechtigkeit, gesellschaftlichen Zusammenhalt und ein zukunftsfähiges Land erreichen will, muss die beiden Bundesprogramme verlässlich finanzieren.
Am 29. Und 30. September kamen Mitarbeitende des JMD mit Vertreter*innen der Politik und den Kommunen im Rhein- Kreis Neuss ins Gespräch und konnten dabei konkrete Erfahrungen aus der täglichen Beratungsarbeit einbringen. Am 29. September fand ein Treffen mit Daniel Rinkert, Mitglied des Deutschen Bundestages für die SPD, und Mathias Junggeburth, Kreistagsabgeordneter der SPD statt. Anhand von Zahlen und Beispielen aus der Beratungspraxis wurde aufgezeigt, mit welchen Herausforderungen Eingewanderte im Rhein-Kreis Neuss im Alltag konfrontiert sind.
Dabei wurde deutlich, wie wichtig eine verlässliche und kontinuierliche Begleitung ist. Viele Anliegen lassen sich nicht in einem einzigen Beratungsgespräch klären. Gerade wenn Verfahren lange dauern, die neue Sprache noch erlernt werden muss oder der Kontakt zu Behörden zusätzliche Hürden mit sich bringt, benötigen Ratsuchende Unterstützung über einen längeren Zeitraum.
Der JMD steht für die Forderungen im Rahmen des Bundesprogramms ein: Für das Haushaltsjahr 2027 braucht es eine klare Entscheidung: 77 Millionen Euro für das Bundesprogramm Jugendmigrationsdienste. Wenn Stellen wegfallen, fehlt Orientierung. Wenn Angebote gekürzt werden, gehen Chancen verloren. Wenn Netzwerke zerbrechen, wird Integration schwieriger. Die Finanzierung der Jugendmigrationsdienste ist daher keine optionale Ausgabe, sondern eine notwendige Zukunftsinvestition. Sie entscheidet mit darüber, ob Integration gelingt, Fachkräfte gewonnen werden und gesellschaftlicher Zusammenhalt stabil bleibt.
Die JMDs und MBEs (Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer) bestehen seit mehr als 20 Jahren und leisten damit seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag zur Integration.
Am 30. September stand im Gespräch mit Heinrich Thiel, SPD-Vorsitzender aus Neuss, und Vertreter*innen des Amtes für Integration und Soziales der Stadt Dormagen insbesondere die Situation in den Städten und Gemeinden des Rhein-Kreises Neuss im Mittelpunkt. Es konnte erläutert werden, wie sich die Angebote von JMD und MBE ergänzen und an welchen Stellen die Arbeit ineinandergreift. Zudem wurde das Fehlen von bezahlbarem Wohnraum, der damit verbundenen drohenden Obdachlosigkeit in Übergängen aus betreuten Strukturen heraus thematisiert. Auch wie die zunehmende Digitalisierung von Behörden und anderen Regeldiensten, die für Menschen, die noch nicht sicher mit den deutschen Verwaltungsstrukturen oder der Sprache vertraut sind, eine zusätzliche Hürde darstellen können.
Die Gespräche im Rahmen der Aktionswoche haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig der Austausch zwischen Beratungspraxis und Politik ist. Die Erfahrungen aus den täglichen Begegnungen mit Ratsuchenden können dazu beitragen, sichtbar zu machen, wo Unterstützung funktioniert und wo noch Handlungsbedarf besteht.