Wie wollen wir zusammenleben?

23.02.26, 09:54
Julia Schmitz
2026_02_18_Youniworth_Kaarst (12)

Respekt, miteinander reden, Vorurteile überwinden. Wie wollen wir zusammenleben? Darum geht es bei der „Youniworth“- Ausstellung der Jugendmigrationsdienste (JMD), die am 18. Februar in der städtischen Realschule Kaarst feierlich eröffnet wurde. Neben Vertreter*innen des JMD im Rhein-Kreis Neuss in Trägerschaft der KJA Düsseldorf, waren Vertreter*innen der Schule, der Stadt Kaarst sowie aus Politik vertreten. Nach den Begrüßungsworten von Schulleiter Torsten Sotowic kamen Christian Horn-Heinemann, Bürgermeister der Stadt Kaarst, Ansgar Heveling, Mitglied im deutschen Bundestag, die Schülervertretung sowie Sarah Wollweber und Bouchra Maliqi (JMD) zu Wort.

27 Nationen sind an der Realschule vertreten, 70% der Schüler*innen haben Migrationshintergrund. Torsten Sotowic betont wie wichtig das Lernen der Sprache sei, dass es viele falsche Bilder und Vorurteile gebe, die zu überwinden seien und ein offener Umgang zu einem gelungenen Zusammenleben führe. Daher sei die Ausstellung and er Schule am richtigen Ort, dort wo die nächste Generation, die zukünftig unsere Gesellschaft prägen wird, lernt.

Die Ausstellung ist zum Mitmachen, zum Anfassen zum Nachfühlen. Ein Ort, an dem sich jede*r einzelne die Frage stellen kann, was es bedeutet Migrant*in zu sein, was würde man selbst mitnehmen, wenn man plötzlich aus der eigenen Heimat fliehen müsste? Christian Horn-Heinemann erklärt, dass er froh sei, dass die Ausstellung einen Ort bietet, an dem über dieses Thema gesprochen wird.

Unser Land lebe von Einwanderung und das Rheinland sei schon immer ein wichtiger Ort in der Migrationsbewegung gewesen, erläutert Ansgar Heveling. Migration prägt Biografien, Freundschaften und Schule. Die Ausstellung belehre nicht, sondern lädt ein sich mit der Frage des Zusammenlebens auseinanderzusetzen. Wichtig für ihn „Zusammenleben ist nicht starr, sondern ein Prozess“.

Azhy Gaib und Tala Aloush sind nicht nur im Kernteam der Schülervertretung (SV) an ihrer Schule, sondern berichten von ihren eigenen Fluchterfahrungen. Azhy ist 2015 mit seiner Familie aus dem Nordirak vor dem IS geflohen. Unter anderem durch die Türkei, Rumänien, Albanien, Ungarn nach Deutschland. Euskirchen, Grevenbroich, Neuss dann Kaarst. Ihm ist wichtig, dass er nicht nur Geflüchteter ist, sondern Schüler, Freund und Nachbar. Denn Migration sei keine Statistik, sondern Menschen. Tala kommt aus Syrien, bei ihrer Flucht vor dem Krieg musste sie Familienmitglieder und Freunde zurücklassen und in Deutschland bei Null anfangen. Sie berichtet, wie sie anfangs wegen ihrer fehlenden Sprachkenntnisse ausgelacht wurde und sich dann mit Hilfe Freundschaften sehr gut integrieren konnte. Miteinander anstatt übereinander reden, Vielfalt als Normalität ansehen und dass jede einzelne Geschichte zählt, wünscht sich die 17-jährige Schülerin.

Die städtische Realschule Kaarst ist nicht nur „Schule ohne Rassismus“, sondern befindet sich auch aktuell auf dem Weg zur "Fairtrade-School", berichtet der 16-jährige Liam, der sich nicht nur in der SV, sondern auch im Jugendparlament der Stadt engagiert.

Die Ausstellung bleibt bis zum 27.02. in Kaarst, Führungen können bei Sarah Wollweber gebucht werden. Die Ausstellung in Kaarst ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Kaarst, der Jugendmigrationsdienste, der Katholischen Jugendagentur Düsseldorf, Menschsein stärken, und der Realschule Kaarst, gefördert vom BMBFSFJ.

Bild: Die Mitarbeiter*innen des Jugendmigrationsdienstes im Rhein-Kreis Neuss bei der Eröffnungsveranstaltung.

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